Startseite Blog

Ein Marathon der Nachrichten

Ein Marathon der Nachrichten

Nach vier Stunden am Computer bin ich völlig überwältigt. Eigentlich hatte ich mir das ganz anders vorgestellt, als ich mich vor ein paar Tagen bei FilipinoCupid angemeldet habe. Aber der Reihe nach.

Warum überhaupt FilipinoCupid? Nun, ehrlich gesagt habe ich mit Plattformen wie Tinder schlechte Erfahrungen gemacht. Ich hatte dort immer das Gefühl, dass mir nur das Geld aus der Tasche gezogen werden sollte, ohne dass wirklich etwas dabei herauskommt. Wobei ich Tinder in diesem Teil der Welt gar nicht erst ausprobiert habe – mein Interesse gilt den Philippinen.

Eigentlich möchte ich irgendwann in ferner Zukunft nach Thailand auswandern. Aber ein Freund sagte mir, ich solle das erst entscheiden, wenn ich einmal auf den Philippinen gewesen sei. Nun habe ich sowieso eine Dienstreise nach Malaysia im Oktober und möchte im Anschluss vier Wochen Urlaub machen – auf den Philippinen. Ich lebe seit fast drei Jahren getrennt, und es wird Zeit für jemanden Neues an meiner Seite.

Jemanden vor Ort kennenzulernen und die vier Wochen zugleich dafür zu nutzen, etwas von den Philippinen zu sehen – das klingt für mich unrealistisch. Mein Plan ist also, jemanden online kennenzulernen und die Person spätestens dann persönlich zu treffen, wenn ich vor Ort bin. Sechs Wochen scheinen mir dafür ausreichend zu sein.

FilipinoCupid hat einige Mitbewerber. Mein Eindruck war, dass die Seite unter ihnen den schlechtesten Ruf hat, was Fakes angeht. Und ich rechnete damit, dort auch auf den einen oder anderen „Gold Digger“ zu treffen. Entsprechend vorsichtig bin ich an die Erstellung meines Profils herangegangen. Trotzdem schien es mir die Seite mit den meisten Profilen zu sein. Das war für mich letztlich ausschlaggebend.

Nach der Anmeldung vor ein paar Tagen war heute der erste Tag, an dem ich aktiv nach Profilen suchte und auf bisherige Nachrichten antwortete. Und was soll ich sagen? Ich habe an diesem Tag sehr viele Nachrichten gelesen. Seit der Anmeldung waren es über 120.

Meine persönliche Einstellung ist: Auch wenn von meiner Seite kein Interesse besteht, formuliere ich wenigstens eine freundliche Absage. Eine kleine Ermutigung, weiterzusuchen – aber mit mir wird es nichts.

Auf diese Weise habe ich ungefähr 100 Kontakte aussortiert. Zu jung – das war eines der Hauptprobleme. So viele 18- bis 30-Jährige, die an mir und meinen 47 Jahren Interesse hatten, während ich dieses Interesse nicht erwiderte. So junge Menschen interessieren mich nicht. Ich suche jemanden, der im Leben steht, der weiß, was das Leben zu bieten hat – jemanden, der nicht nur träumt, sondern realistische Ziele verfolgt.

Am Ende blieben etwa 20 Kontakte übrig. Das Auswählen, Antworten und Recherchieren auf den Profilseiten hat mich etwas mehr als vier Stunden gekostet.

Dieser Abend ist für mich zwiespältig. Nachdem ich diesen Marathon aus Antworten und Aussortieren hinter mir habe, denke ich darüber nach. Von anderen Plattformen kenne ich es eigentlich nur umgekehrt: dass ich vollständig ignoriert werde. Und hier habe ich gar nichts gemacht. Ich habe lediglich eine Profilseite erstellt und wurde von Mitteilungen förmlich erschlagen.

Jetzt am Abend beschäftigt mich die Frage, wie das wohl für Frauen bei Tinder ist, die ebenfalls Tausende von Nachrichten erhalten. Nehmen sie sich auch die Zeit, diese zu beantworten, oder ignorieren sie einfach? Kann ich dieses Verhalten in den nächsten Tagen durchhalten? Es ist zeitraubend und anstrengend.

Vor allem frage ich mich, ob ich der Vorstellung von dem Menschen treu bleiben kann, der ich sein möchte. Das beschäftigt mich mehr als die Frage, was aus diesen Kontakten werden könnte. Im Moment bin ich schlicht überwältigt von der Situation – vielleicht sogar überfordert.

In sechs Wochen werde ich wissen, ob sich dieser Aufwand gelohnt hat. Ob aus den 20 verbliebenen Kontakten etwas wird. Ob meine Reise auf die Philippinen mehr wird als nur Urlaub.

Mal schauen, was morgen bringt. Und ob ich die Energie aufbringe, das alles so weiterzumachen.